Es brutzelt im Verteiler

Diesmal möchte ich euch auf einen Teil eures zu Hauses aufmerksam machen der oft relativ unbeachtet oder gar vergessen meist in eurem Vorzimmer, Keller oder Abstellkammerl sein Dasein fristet. Die Rede ist von eurem Elektroverteiler. Dieser unscheinbare Kasten beinhaltet nicht nur die Verteilung eures elektrischen Stromes sondern auch die Schutzeinrichtungen welche euch im Fall des Falles vor den Gefahren des elektrischen Stromes (tödlichen Stromschlag, Überlastung elektrischer Einrichtungen und somit Brandgefahr) schützen sollen. Diese Aufgabe können sie aber nur erfüllen wenn diese Schutzeinrichtungen regelmäßig auf ihre Funktion hin überprüft werden und im Bedarfsfall ausgetauscht oder erneuern  werden. Was ist nun dieser Bedarfsfall? Der worst case ist natürlich der Defekt einer Schutzeinrichtung, aber es ist ebenso ratsam die Anlage immer auf dem neuesten Stand zu halten. Die meisten von euch installieren auf ihren Smartphones oder PCs immer wieder neue Software und tauschen irgendwann das Gerät aus wenn nicht mehr den Erfordernissen genügt. Das gleiche gilt auch für eure elektrische Anlage, auch wenn das die meisten nicht glauben wollen. Mal angenommen ihr habt eine 5 Jahre alte Wohnung und ihr kauft euch eine neue Waschmaschine und lest euch die Bedienungsanleitung durch. Spätestens beim Abschnitt über die technischen Voraussetzungen für den sicheren Betrieb werden die meisten zu lesen aufhören weil sie ja eh wäscht. Dass dort aber drinnen steht welche Art von FI Schutzschalter verbaut sein muss (meist Typ A oder B, welcher Fehlerströme erkennt die vom normalen Sinus abweichen) wird somit nicht gelesen. Moderne Waschmaschinen haben eben meist Frequenzumrichter im inneren verbaut und diese erfordern spezielle Schutzmaßnahmen. Im schlimmsten Fehlerfall würde eine tödliche Fehlerspannung am Gehäuse anstehen und der FI, mit der nicht geeigneten Fehlerstromerkennung, würde dies nicht merken und somit nicht abschalten. Wenn ihr nun den Elektriker eures Vertrauens bittet den FI umzurüsten wird er euch eine Kostenvoranschlag von ca. 300€ vorlegen (je nach Fabrikat). Viele werden jetzt der Meinung sein das dies das Geld nicht wert sei und Kaufen sich lieber um das Geld ein neues Telefon. Wer so einen Gedanken führ möchte ich nun einen Denkanstoß geben: Wer tot ist kann nicht mehr telefonieren! Ihr setzt mit einer nicht Ordnungsgemäßen Anlage euer Leben und das Leben eurer Familie aufs Spiel. Noch dazu verhält es sich so dass ihr Gesetzlich als Haus oder Wohnungseigentümer der Anlagenbetreiber eurer elektrischen Anlage seid und somit seid ihr bei Unfällen haftbar!!! Als Anlagenbetreiber habt ihr nun auch sicher zustellen das die Anlage in Ordnung ist. Das mindeste wäre wohl je nach FI Typ ordnungsgemäß den Prüfknopf im angegeben Intervall zu betätigen und das zu Dokumentieren. Als Elektrofachkraft bin ich da etwas genauer. Ich führe halbjährlich eine Überprüfung meiner Anlage durch und das inkl. Messprotokoll (Stromkreis, Schleifenwiderstand, Auslösestrom, Auslösezeit….). Leider musste ich bei meiner letzten Überprüfung feststellen das beide FI Schutzschalter bei mir defekt waren. Der eine löste nicht mehr aus und der andere wurde ohne Last warm. Es gab bereits Schmauchspuren im Verteiler.

Die Ursache für die Erwärmung fand ich dann bei der Obduktion der Schaltgeräte raus: Die Auswerteelektronik war nur noch Elektroniktoast. Aus diesem Grund flogen bei mir sämtliche FI und Leitungsschutzschalter raus und wurden durch neue ersetzt.

So sollte das aussehen!

So sollte das aussehen!

Zuerst dachte ich an einen Zufall, doch dann wurde ich zu einem gleichen Fall im Wohnhaus gerufen. Wegen Gefahr in Verzug habe ich die Anlage spannungsfrei geschaltet und die Besitzerin gebeten den Notdienst zu holen (war natürlich Wochenende wo das Ganze 500€ kostet). Die 2 Nachbarinnen hatten ebenfalls einen defekten FI gehabt. Somit scheint es sich um einen Produktionsfehler der Firma Kopp zu handeln. Da ich als Fachkraft eine Hinweispflicht habe, informierte ich die Wohnungsgenossenschaft. Wie erwartet haben sie gesagt das sie niemanden zur Überprüfung zwingen können da es sich um Eigentumswohnungen handelt, aber sie würden ein Rundschreiben ausschicken, was nun auch wieder 4 Wochen her ist und noch nicht erfolgt ist. Ich kann euch nur raten eure elektrische Anlage mindestens alle 3-5 Jahre von einer Fachkraft überprüfen zu lassen, denn das drücken der Prüftaste zeigt euch nur ob die Auslösemechanik funktioniert und gibt in Wahrheit keine echte Auskunft über Auslösestrom und Auslösezeit. Bei uns im Werk haben wir noch strengere Auflagen was die Überprüfung von elektrischen Betriebsmitteln und die elektrische Anlage betrifft. Was für euch auch interessant sein könnte ist, das euer Arbeitgeber für die Überprüfung elektrischen Betriebsmittel verantwortlich ist (steht im Arbeitnehmerschutz Gesetzt). Somit möchte ich euch für eure Aufmerksamkeit danken und hoffe das der Ein oder Andere von euch doch mal einen Blick in den Verteiler wirft.

 

Veröffentlicht in Allgemein, Elektronik und Co

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*